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!Iran - auf den Spuren großer Kulturen

Wenn man hierzulande Fernsehberichte über den Iran sieht, stellt man sich das Reisen in diesem Land nicht gerade einfach vor. Vor allem die Vorstellung, in einem warmen Land mit Mantel und Kopftuch herumzulaufen, hat mir Angst gemacht und mich lange Zeit davon abgehalten, das Heimatland meines Mannes zu besuchen. Aber je mehr ich über dieses Land hörte, desto entschlossener wurde ich, es doch einmal zu versuchen. Schließlich überwog die Neugier, die kulturelle und landschaftliche Vielfalt und natürlich auch die große Familie meines Mannes kennen zu lernen.

 

Ein Visum muss her!

Zunächst musste ich mich um ein Visum bemühen. Ich erfuhr, dass dies bei einer organisierten Reise über das Reisebüro relativ einfach zu bekommen sei. Da wir aber auf eigene Faust reisen wollten, erkundigte ich mich zunächst beim Konsulat in Frankfurt/M. Nach den Auskünften aus der dortigen Visumsabteilung erschien es mir fast unmöglich, ein Touristenvisum zu erhalten. Schließlich erkundigte ich mich noch mal bei der Iranischen Botschaft in Berlin. Dort erhielt ich die Auskunft, dass ich mir einfach ein Antragsformular aus der Internetseite ausdrucken und dieses dann in zweifacher Ausfertigung ausgefüllt mit zwei Passfotos zuschicken solle. Vorsichtshalber machte ich Passfotos mit Kopftuch und schickte den Visumsantrag mit meinem Reisepass per Einschreiben ab. Und tatsächlich: Alles funktionierte wie versprochen.

Die Reiseroute

Wir buchten einen Flug nach Teheran. Da wir für die Reise nur 3 1/2 Wochen Zeit hatten, entschieden wir uns, neben Teheran noch das Dorf in der Nähe von Kashan, aus dem die Familie meines Mannes stammt, sowie Isfahan, Yazd und den Norden (Rascht, Bandar Abbas, Lahijan und das Kaspische Meer) zu besuchen.

Ankunft in Teheran

Bis wir auf dem Flughafen in Teheran das Flugzeug verließen, war ich noch unverhüllt. Dort dann den Mantel und das Kopftuch anzuziehen, war schon sehr ungewohnt. Doch bald nahm ich das gar nicht mehr so wahr, man gewöhnt sich bis zu einem gewissen Grad daran, diese Bekleidung beim Verlassen des Hauses zu tragen oder wird von den vielen interessanten Eindrücken dieses orientalischen Landes davon abgelenkt.

Teheran ist riesengroß und vergleichsweise europäisch geprägt. Man kann hier fast alles kaufen und es gibt viele interessante Museen. Im Norden liegt das Alborzgebirge, an dessen Fuß wohlhabende Iraner ein luxuriöses Leben führen. Ein tolles Erlebnis ist die Fahrt mit der längsten Seilbahn der Welt auf die 4000 m hohe Bergkuppe "Tochal". Oben ist die Luft kühl und frisch, es gibt keine Vegetation mehr und wenn man Glück hat, sieht man außer Teheran auch die Spitze des Damawand, des höchsten Berges des Iran. Man merkt allerdings schnell, dass die Luft dort oben sehr dünn ist und das letzte Stück, das man bis zur Bergkuppe laufen muss, erscheint anstrengender, als man es zunächst erwartet!

Reise in die Vergangenheit: Hanjan und Abiyaneh

Unsere erste Reiseetappe führte in das Dorf, aus dem die Familie meines Mannes stammt. Es heißt Hanjan und liegt ca. 400 km südlich von Teheran. In der Gegend liegen mehrere wunderschöne Lehmdörfer zwischen den ebenfalls lehmfarbenen Bergen, umgeben von saftiggrünen Feldern und Gärten entlang von kleinen Flüssen. In Hanjan selbst gibt es eine Burg, die vor ca. 400 Jahren auch aus Lehm erbaut wurde. Damals diente sie zur Verteidigung gegen die Mongolen. Seit jeher wurde die Burg zur Lagerung von Vorräten benutzt. Jetzt fällt sie leider – wie einige benachbarte Häuser, die verlassen wurden - in sich zusammen.

Zu unserer Reisezeit (Spätsommer/ Anfang Herbst) wurden gerade Granatäpfel, Feigen, Weintrauben und Birnen geerntet, wovon wir auf unseren Spaziergängen reichlich genießen konnten.

Das bekannteste Dorf in der Umgebung heißt Abiyaneh, dort sind die Erde - und daher auch die Häuser – rot gefärbt. Das gesamte Dorf steht unter Denkmalschutz und jedes Haus, das neu gebaut wird, muss mit Lehm verputzt werden. Die Leute tragen hier traditionelle Kleidung, es ist alles wesentlich bunter als in den Städten.

Interessant ist auch, dass die alten Türen zwei verschiedene Türklopfer aufweisen, einen für Männer, den anderen für Frauen. Am Klang erkennen die Frauen drinnen, ob sie sich vor dem Öffnen der Tür bedecken müssen! Insgesamt ist die Bekleidung der Frauen in den Dörfern aber immer wesentlich freizügiger als in der Stadt.

In Abiyaneh gibt es auch ein Hotel mit Restaurant und Souvenirläden, es ist also touristisch etwas erschlossen.

Isfahan- ein Traum aus 1001 Nacht!

Unser nächstes Reiseziel war Isfahan, neben Teheran wohl die bekannteste Stadt im Iran. Vor ca. 400 Jahren war es die Hauptstadt des damaligen Persien und Schah Abbas ließ viele beeindruckende islamische Bauwerke errichten.

Im Zentrum befindet sich der Imam-Platz. Es soll der größte Platz der Welt sein, früher wurden dort Polospiele veranstaltet. Er ist umgeben von kleinen Läden, die allerlei Kunsthandwerk anbieten: Miniaturen, Teppiche, traditionell bedruckte Tischdecken, Geschirr, Schmuck und vieles mehr. Die meisten Dinge kann man günstiger auf dem riesigen überdachten Bazar kaufen, aber es macht Spaß, vor allem abends durch die Läden zu laufen und sich die angebotenen Waren anzusehen. Man kann auch auf Pferdekutschen um den Platz fahren. Hier liegen außerdem zwei der wunderschönen, vor allem blau und türkis gekachelten Moscheen und das berühmte Ali Qapu, das früher als Tribüne diente. Über den Fluss Sayande Rut führen einige alte Brücken mit integrierten Teehäusern, in denen man auch Wasserpfeife rauchen kann. Auch gibt es in Isfahan schöne Parks und viele weitere historische Gebäude; doch unsere Zeit war viel zu knapp...

Impressionen aus Yazd

Als nächstes stand Yazd auf unserem Programm, das mitten zwischen zwei Wüsten liegt. Dafür buchten wir einen der relativ günstigen Inlandflüge von Teheran. In Yazd gibt es noch viele Zooastrier, Anhänger der vorislamischen Religion Persiens. Man kann hier den Feuertempel besichtigen und auch Ausflüge zu zooastrischen Pilgerstätten in der Wüste unternehmen. Die sogenannten "Türme des Schweigens" sind alte Lehmtürme auf zwei nebeneinanderliegenden Bergkuppen. Hier wurden früher die Verstorbenen aufgebahrt und den Geiern zum Fraß gegeben, da die Naturelemente den Zooastriern als heilig gelten und nicht von Leichen beschmutzt werden dürfen. Zwar wurde dieses Ritual von islamischer Seite untersagt, so dass man die Toten heute "notgedrungen" einzementiert, die Türme werden jedoch weiterhin von den Zooastriern erhalten.

 

Die Altstadt von Yazd wird durch hohe Lehmmauern mit schönen alten Holztüren geprägt. Die eigentliche Faszination der Gebäude erschließt sich aber erst, wenn man die Häuser, die zum Teil öffentlich zugänglich sind, von innen besichtigt und die begrünten Innenhöfe mit Brunnen und kunstvoll bemalten Wänden entdeckt.

Ebenfalls einen Besuch wert sind die gemütlichen Restaurants, die sich in alten orientalischen Villen und Badehäusern befinden. Und dann gibt es natürlich auch noch die sehenswerten uralten Kühl- und Wassersysteme. Es existieren kilometerweite unterirdische Kanäle (Qanate) von den Bergen her, mit deren Hilfe die Stadt früher komplett mit Wasser versorgt wurde. Windtürme (Badgir) fangen jeden Luftzug ein, leiten diese über Wasserbecken in die Häuser und sorgen so für angenehme Kühlung. Auch Wasserzisternen (Abambar) werden so gekühlt. Schön ist es, wenn man einen Weg auf die Dächer findet, wo man die Lehmkuppeln, Windtürme und dazwischenliegende blaue Moscheen mit Minaretten von oben bewundern kann!

In den grünen Norden

Unsere letzte Reiseetappe führte uns in den Norden. Hier ist es wesentlich kühler, aber dafür sehr schwül, so dass man viel mehr schwitzt. Die Natur ist im Gegensatz zu den meisten anderen Gegenden, die wir bereist hatten, saftig und grün.

Nahe der Stadt Rascht gibt es hauptsächlich Reisfelder, die zum Zeitpunkt unseres Besuches bereits abgeerntet waren. Jetzt diente der hellgrün nachwachsende Reis den vielen frei herumlaufenden Kühen als Futter.

Viele der zwischen den Feldern liegenden Häuser sind mit Stroh gedeckt. Ein bekanntes Dorf westlich von Rascht heißt Masuleh, liegt in den Bergen und ist aus Lehm gebaut. Das Dach des jeweils unten liegenden Hauses dient als Terrasse oder Weg für das obere Haus. Da auch viele iranische Reisende hierher kommen, gibt es viele kleine Läden, die Kunsthandwerk verkaufen und Teehäuser, deren Bänke und Tische mit bunten Kelims (gewebten Teppichen) geschmückt sind. Auch hier - wie in jedem traditionellen Teehaus - kann man Wasserpfeife rauchen.

Bandar Abbas liegt zwischen dem Kaspischen Meer und einer Lagune, die von Sümpfen umgeben ist. Touristen werden mit kleinen Motorbooten in das Sumpfgebiet gefahren, das vielen Vögeln als Lebensraum dient. Es wächst viel Schilf und zu gewissen Zeiten sollen die Seerosen hier wunderschön blühen.

Auf dem Rückweg vom Norden fuhren wir noch durch Lahijan, das bekannt ist für Teeanbau. Der Tee wächst hier in hügeligen grünen Plantagen.

Freud und Leid eines Touristen

Insgesamt war die Zeit doch sehr knapp, so dass wir von den einzelnen Orten und von dem großen Land allgemein nur sehr wenig gesehen haben. Auffällig ist jedoch, dass die Menschen überall sehr freundlich sind und sich gerne unterhalten. Von vielen wird man nach Hause eingeladen, überall gibt es viel gutes Essen. Wir hatten niemals Ärger mit Behörden. Allerdings muss man als Tourist für die meisten Eintrittspreise und auch für Hotels ca. den zehnfachen Preis der Einheimischen zahlen, wodurch diese Preise fast schon europäisches Niveau erreichen. Auch verlangen Händler höhere Preise, wenn man mit einem Führer zu ihnen geht, da der Führer vom Händler eine stolze Provision verlangt.

Da der Straßenverkehr im Iran sehr chaotisch ist, empfiehlt es sich, möglichst kein Auto zu mieten. Öffentliche Verkehrsmittel und Taxis sind billig, so dass man diese gut nutzen kann. In Teheran gibt es außerdem die Metro, mit der man auf manchen Strecken dem Verkehrschaos entfliehen kann.

Auf Wiedersehen!


Enole Boedeker

Alles in allem war die Reise manchmal zwar anstrengend, aber doch wunderschön und sehr interessant für mich. Ich möchte in jedem Fall wieder in den Iran reisen, noch vieles sehen und manches auch unbedingt wieder sehen!

 

Autorin:

Enole Boedeker, Stuttgart,  MAI 2003

enolede[at]yahoo.de

 

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